NRW-Krankenhäuser unvorbereitet auf Großschadenslagen – gravierende Mängel bei Strom und Wasser

Norbert Thies
Norbert Thies
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Ein detailliertes architektonisches Zeichnung des Rosenhof-Krankenhauses in Hamburg, Deutschland, das ein Gebäude mit zahlreichen Drähten und Text zeigt, der den Aufbau beschreibt, einschließlich Räume, Flure und andere Merkmale.Norbert Thies

NRW-Krankenhäuser unvorbereitet auf Großschadenslagen – gravierende Mängel bei Strom und Wasser

Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen kämpfen mit der Vorbereitung auf Großschadenslagen

Kliniken in Nordrhein-Westfalen (NRW) sind kaum auf großflächige Notfälle wie mögliche Angriffe auf Deutschland oder NATO-Partner vorbereitet. Zwar können viele kleinere Krisen bewältigen, doch eine aktuelle Umfrage des WDR offenbart gravierende Lücken bei der langfristigen Resilienz – von Strom- und Wasserversorgung über medizinische Reserven bis hin zu Schutzraumkapazitäten.

Eine WDR-Recherche ergab, dass 40 von 53 Krankenhäusern in NRW über Notstromaggregate verfügen. Doch nur etwas mehr als die Hälfte könnte den Betrieb drei Tage aufrechterhalten. Das Bergmannsheil in Bochum, geleitet vom Ärztlichen Direktor Mirko Aach, entspricht diesem Muster: Fünf Dieselgeneratoren sichern die Versorgung für 72 Stunden – ein Standard, der für die meisten deutschen Krankenhäuser gilt.

Wasser bleibt ein zentrales Problem. Vier von fünf Kliniken sind vollständig auf externe Lieferungen angewiesen, nur jede fünfte lagert Trinkwasser für eine Woche. Auch bei Medikamenten gibt es Engpässe: Zwar halten die meisten Häuser essenzielle Arzneimittel für zwei bis sechs Wochen vor, doch Blutreserven wären in einer längerfristigen Krise schnell aufgebraucht.

Der Gesundheitsökonom Professor Boris Augurzky schlägt ein rotierendes Lagerungssystem vor, um Medikamentenverschwendung zu vermeiden. Die städtischen Kliniken Kölns haben hingegen einen zweistöckigen Keller entworfen, der im Frieden als Parkhaus und im Krisenfall als medizinisches Notfallzentrum dienen könnte. Doch das Projekt scheitert an der Finanzierung.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann räumte ein, dass keine Landesmittel für die Kölner Pläne bereitstünden. Er verwies auf mögliche Bundesmittel aus dem Verteidigungsetat. Noch in der Cold-War-Ära waren Bunker zu medizinischen Schutzräumen umfunktioniert worden – doch alle wurden inzwischen geschlossen. Heute verfügt kein einziges Krankenhaus in NRW über unterirdische Schutzanlagen.

Das Bergmannsheil, ein auf Unfallopfer spezialisiertes Traumazentrum, steht exemplarisch für die systemischen Schwächen: Kurzfristige Notfälle lassen sich bewältigen, doch bei großflächigen Bedrohungen wie militärischen Konflikten oder Terroranschlägen wäre die Klinik überfordert.

Ohne zusätzliche Mittel und Infrastruktur bleiben die Krankenhäuser in NRW anfällig für langanhaltende Krisen. Die aktuellen Systeme basieren auf begrenzten Notstromkapazitäten, unzureichenden Wasserreserven und veralteten Schutzraumkonzepten. Die Politik steht nun unter Druck, bundesweite Unterstützung zu mobilisieren und nachhaltige Lösungen zu schaffen – bevor der nächste Notfall eintritt.

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