Warum es kaum Medikamente speziell für Kinder in Deutschland gibt
Warum es kaum Medikamente speziell für Kinder in Deutschland gibt
Kinder und Jugendliche in Deutschland haben weiterhin erhebliche Versorgungslücken bei zugelassenen Arzneimitteln. Trotz strenger regulatorischer Standards ist in den vergangenen fünf Jahren kein einziges Medikament auf den Markt gekommen, das ausschließlich für junge Patientinnen und Patienten entwickelt wurde. Expertinnen und Experten warnen, dass die hohen Zulassungshürden – obwohl sie aus Sicherheitsgründen notwendig sind – zur anhaltenden Knappheit an kindergerechten Therapien beitragen.
Die Ursachen für das Fehlen neuer Kinderarzneimittel sind vielfältig. Klinische Studien mit Kindern sind schwerer durchzuführen, da die Patientengruppen klein sind, die Rekrutierung von Teilnehmenden schwierig ist und komplexe Einwilligungsverfahren gelten. Für Pharmakonzerne lohnt sich die Entwicklung von Medikamenten speziell für junge Patientinnen und Patienten zudem kaum, da der Markt im Vergleich zu Erwachsenen deutlich kleiner ist.
Ein gängiger Ausweg in der Kinderheilkunde ist die Off-Label-Verordnung. Zwischen 60 und 90 Prozent der an Kinder verabreichten Arzneimittel wurden nie formal für ihre Altersgruppe getestet. Zwar schließt diese Praxis akute Versorgungslücken, doch wirft sie Fragen zur langfristigen Sicherheit und Wirksamkeit auf.
Deutschland verfügt bereits über rechtliche Instrumente, um das Problem anzugehen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) unterhält ein Expertengremium, das bei Off-Label-Therapien berät. Zudem bietet Anhang VI der Arzneimittelrichtlinie einen Rahmen für die Bewertung nicht zugelassener Medikamente bei Kindern. Ähnliche Diskussionen laufen derzeit auf EU-Ebene, um diese Ansätze in den Mitgliedstaaten zu vereinheitlichen.
Das aktuelle System zwingt viele junge Patientinnen und Patienten, auf Off-Label-Präparate oder Erwachsenenmedikamente zurückzugreifen. Zwar bleiben regulatorische Schutzmechanismen für die Gesundheit von Kindern unverzichtbar, doch der Mangel an kinderspezifischen Arzneimitteln unterstreicht die Notwendigkeit besserer Anreize und vereinfachter Studienverfahren. Rechtliche Rahmenbedingungen existieren zwar, um den Zugang zu verbessern – ihre Wirkung hängt jedoch von grundlegenderen Veränderungen in Forschung und Förderprioritäten ab.
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