DAAD erlebt Bewerbungsboom – doch Russland und USA zwingen zum Umdenken

Klaus-Günter Sölzer
Klaus-Günter Sölzer
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Eine animierte Karte von Deutschland mit einem roten Pfeil, der auf einen violetten Punkt zeigt.Klaus-Günter Sölzer

DAAD erlebt Bewerbungsboom – doch Russland und USA zwingen zum Umdenken

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD) steht vor tiefgreifenden Veränderungen der globalen Nachfrage nach seinen Programmen

Die Bewerbungen für Masterstipendien in Deutschland sind stark angestiegen, während politische Entwicklungen in Russland und den USA den akademischen Austausch umgestalten. Gleichzeitig treiben Kürzungen bei Forschungsmitteln und rechtliche Einschränkungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dazu, nach Alternativen im Ausland zu suchen.

Der DAAD, der weltweit größte Förderer von internationalen Studierenden- und Forscheraustauschprogrammen, verzeichnet eine Verdopplung der Bewerbungen für Masterstipendien. Ein zentraler Grund dafür ist der Rückgang der Forschungsförderung in den USA, insbesondere in der Klimawissenschaft. Während der Amtszeit von Donald Trump (2017–2021) wurden die Bundeshaushalte für Behörden wie die Umweltbehörde EPA und die National Science Foundation (NSF) um 20 bis 30 Prozent gekürzt – ein harter Schlag für Eliteuniversitäten. Bis 2020 meldeten Harvard, Stanford und Princeton einen Rückgang der staatlichen Klimaforschungsgelder um 15 bis 25 Prozent. Zwar stellte Präsident Biden später über den Inflation Reduction Act teilweise Mittel wieder bereit, doch die Unsicherheit vor den Wahlen 2025 lässt die Förderung weiterhin 10 bis 15 Prozent unter dem Niveau von 2016. Private Spenden, wie die eine Milliarde Dollar schwere Klimainitiative Harvards, konnten die Lücke nur teilweise schließen.

Da US-Forschende nach Stabilität suchen, wenden sich viele Europa zu. Der DAAD verzeichnet gemeinsam mit der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und der Max-Planck-Gesellschaft einen deutlichen Anstieg an Anfragen von amerikanischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Gleichzeitig ist das Interesse deutscher Studierender an einem Studium in den USA um etwa 10 Prozent gesunken.

In Russland musste der DAAD seine Aktivitäten einstellen, nachdem das russische Justizministerium die Organisation als "unerwünschte Auslandsorganisation" eingestuft hatte. Diese Klassifizierung zwingt zur Schließung des Moskauer Büros sowie des German House for Research and Innovation. Russischen Bürgerinnen und Bürgern, die mit dem DAAD kooperieren, drohen nun strafrechtliche Verfolgung – ein weiterer Schritt zur Isolation der akademischen Gemeinschaft des Landes.

Während der DAAD in Deutschland eine wachsende Rolle einnimmt, sieht er sich in Russland zum Rückzug gezwungen und erlebt eine veränderte Prioritätensetzung seitens US-amerikanischer Forschender. Angesichts der weiterhin instabilen Förderung der Klimaforschung in den USA suchen immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Chancen im Ausland. Die Entwicklungen zeigen, wie politische Entscheidungen in beiden Ländern die globale Zusammenarbeit in der Wissenschaft nachhaltig verändern.

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