Dürens riskante Wette auf Wasserstoff: 35 Millionen Euro für eine ungewisse Zukunft

Ingetraut Austermühle
Ingetraut Austermühle
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Drei Autos nebeneinander auf einem Parkplatz geparkt, mit einem Maschendrahtzaun und Gras im Hintergrund, eines zeigt den Text 'Wasserstoff-betriebenes Fahrzeug'.Ingetraut Austermühle

Dürens riskante Wette auf Wasserstoff: 35 Millionen Euro für eine ungewisse Zukunft

In Düren entsteht derzeit eine neue Wasserstoffproduktionsanlage, die voraussichtlich Anfang 2026 ihren Betrieb aufnehmen soll. Die 35-Millionen-Euro-Anlage, die mit 14,7 Millionen Euro Bundesförderung unterstützt wird, zielt darauf ab, jährlich bis zu 1.577 Tonnen Wasserstoff zu erzeugen. Doch Verzögerungen und wirtschaftliche Unsicherheiten werfen Fragen nach ihrer langfristigen Tragfähigkeit auf.

Das 10-Megawatt-Elektrolysewerk im Brainergy Park in Jülich wird nach vollständiger Inbetriebnahme etwa 180 Kilogramm Wasserstoff pro Stunde produzieren. Aktuelle Schätzungen gehen von Herstellungskosten zwischen 105 und 140 Euro pro Kilogramm bei geringer Auslastung aus. Das Projekt hat bereits Rückschläge erlebt – der ursprüngliche Zeitplan musste aufgrund gestiegener Kosten in der Lieferkette verschoben werden.

Die Wasserstofftankstelle in Düren, die sich auf einem Shell-Gelände befindet, wird von H2 Mobility Deutschland betrieben. Dies geschieht zu einer Zeit, in der das Unternehmen kürzlich 22 öffentliche Wasserstofftankstellen für Pkw in ganz Deutschland wegen schwacher Nachfrage schließen musste. Sollte sich der großflächige Durchbruch von Wasserstoff nicht einstellen, könnte die regionale Infrastruktur in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Die Stadt setzt derzeit etwa 20 Wasserstoffbusse ein, die jährlich rund 72 Tonnen Wasserstoff verbrauchen – ein Bruchteil der Kapazität der neuen Anlage. Zum Vergleich: Dieselbusse stoßen etwa 79,5 Tonnen CO₂ pro Jahr aus, während batteriebetriebene E-Busse rund 34,2 Tonnen verursachen. Wasserstoffbusse, die mit grauen Wasserstoff betrieben werden, emittieren zwischen 43,9 und 48,8 Tonnen jährlich.

Das Düren-Projekt profitiert von stärkerer regionaler Unterstützung und höheren Investitionen als vergleichbare Initiativen, etwa in Aberdeen. Dennoch steht es wie andere Vorhaben vor der Herausforderung, die Nachfrage zu steigern. Der Bundesrechnungshof hat kürzlich eine Neubewertung der deutschen Wasserstoffstrategie gefordert und damit grundsätzliche Bedenken zur Machbarkeit geäußert.

Die Anlage in Düren stellt eine bedeutende Investition in die Wasserstoffzukunft Deutschlands dar. Ihr Erfolg hängt jedoch von einer steigenden Nachfrage ab. Angesichts hoher Produktionskosten und geringer aktueller Nutzung bleibt die wirtschaftliche Nachhaltigkeit des Projekts ungewiss. Das Ergebnis wird voraussichtlich künftige Entscheidungen über die Wasserstoffinfrastruktur im Land prägen.

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