10 June 2026, 16:35

Nadav Lapid zieht sich vom FID Marseille zurück – Boykott spaltet Filmbranche

Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard verteidigen den israelischen Regisseur Nadav Lapid: 'Der kulturelle Boykott ist ein intellektuelles Versagen'

Nadav Lapid zieht sich vom FID Marseille zurück – Boykott spaltet Filmbranche

Ein Streit ist um die geplante Teilnahme des israelischen Regisseurs Nadav Lapid am Internationalen Filmfestival FID Marseille entbrannt. Mehrere Filmemacher zogen ihre Beiträge zurück, woraufhin Lapid sich von der Veranstaltung zurückzog. Die Debatte spaltet die Meinungen in der Filmbranche und darüber hinaus.

Der Konflikt begann, als Lapid eingeladen wurde, als Jurymitglied beim Festival zu fungieren, das vom 7. bis 12. Juli stattfinden soll. Festivalleiterin Tsveta Dobreva betonte, er sei ausschließlich aufgrund seines künstlerischen Schaffens ausgewählt worden. Dennoch zogen rund zehn Filmemacher ihre Werke aus dem Programm zurück, was Lapid schließlich dazu veranlasste, sich vollständig zurückzuziehen, um weitere Verwerfungen zu vermeiden.

Über 350 Branchenvertreter, darunter Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard, unterzeichneten einen offenen Brief, in dem sie den Boykott verurteilten. Unterdessen veröffentlichte Le Monde zwei Stellungnahmen, die Lapid unterstützten – eine davon argumentierte, sein Rückzug solle als Warnsignal für den wachsenden kulturellen und politischen Druck verstanden werden.

Lapid, ein entschiedener Kritiker der Regierung von Benjamin Netanyahu, lebt seit 2021 in selbstgewähltem Exil in Frankreich. Sein jüngster Film Yes wurde von Variety als „scharfe Abrechnung mit dem israelischen Nationalismus“ bezeichnet. Die franco-algerische Regisseurin Narimane Mari, die ihren Film zurückzog, wies Vorwürfe der Zensur zurück und erklärte: „Wir verurteilen keinen Menschen – wir lehnen ein kulturelles und politisches Modell ab, das weiterhin aufrechterhalten wird.“ Eine zweite Stellungnahme mit dem Titel „Kino ist keine Botschaft“ hinterfragte die Logik des Boykotts und warf den Befürwortern vor, einen Künstler auf seine Nationalität zu reduzieren.

Lapid äußerte zwar Frustration über den zunehmenden Druck, willigte aber ein, zurückzutreten, um das Festival zu schützen. Er warnte, solche Aktionen könnten eine abschreckende Wirkung auf kulturelle Einrichtungen weltweit haben. Sein Rückzug hat eine breitere Debatte über kulturelle Boykotte und künstlerische Freiheit ausgelöst. Das Festival wird ohne Lapid stattfinden, während die Diskussion über politischen Einfluss in der Kunst weitergeht. Befürworter und Kritiker des Boykotts bleiben in der Bewertung seiner Konsequenzen gespalten.

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