Warum das Vertrauen in die Demokratie bröckelt – und wer davon profitiert
Norbert ThiesWarum das Vertrauen in die Demokratie bröckelt – und wer davon profitiert
Der Soziologe Aladin El-Mafaalani hat untersucht, warum das Vertrauen in die Demokratie schwindet. In seinem neuen Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert er, wie Menschen das Vertrauen in Institutionen wie Gerichte, Wissenschaft und Medien verlieren. Seine Erkenntnisse werfen auch ein Licht auf den Aufstieg populistischer Bewegungen weltweit.
El-Mafaalani, der in Dortmund forscht, argumentiert, dass sich Misstrauen nicht zufällig verbreitet. Stattdessen neigen skeptische Menschen dazu, anderen zu vertrauen, die ihre Zweifel teilen. Diese Gruppen – von ihm als "Gemeinschaften des Misstrauens" bezeichnet – vernetzen sich durch digitale Medien heute leichter, organisieren sich und verstärken so ihre Überzeugungen.
Seine Forschung hilft zu erklären, warum Figuren wie Donald Trump oder die deutsche Rechtspopulisten-Partei AfD an Einfluss gewinnen. Die 2013 als EU-skeptische Kraft gegründete AfD änderte nach der Flüchtlingskrise 2015 ihren Kurs und entwickelte sich zu einer rechtspopulistischen Bewegung. Mit 4,7 Prozent der Stimmen verfehlte sie 2013 knapp den Einzug ins Parlament, verdoppelte jedoch ihr Ergebnis von 2021 bei der Wahl 2025 – mit Alice Weidel als Kanzlerkandidatin. Besonders in Bundesländern wie Baden-Württemberg, wo Weidel von 2020 bis 2022 den Landesverband führte, gewann die Partei an Gewicht, trotz interner Konflikte und Mitgliederschwund.
El-Mafaalani warnt, dass bloße Enthüllungen über die Inkompetenz der AfD das demokratische Vertrauen ihrer Anhänger nicht zurückgewinnen werden. Populistische Strategen, so der Soziologe, untergraben gezielt das Vertrauen in Institutionen. Seine Arbeit zeigt: Herkömmliche Gegenmaßnahmen scheitern – es braucht neue Ansätze.
Das Buch liefert frische Impulse im Kampf gegen Rechtspopulismus. El-Mafaalanis Analysen verdeutlichen, wie sich Misstrauen in Netzwerken ausbreitet und verfestigt. Seine Erkenntnisse unterstreichen, dass es Strategien braucht, die die Ursachen der Entfremdung angehen – statt nur populistische Parteien anzugreifen.






