Skandal und Publikumsmacht: Die 61. Biennale Venedig ohne Jury
Die 61. Biennale von Venedig hat für das Publikum ihre Tore geöffnet – mit 100 Nationalpavillons und 111 teilnehmenden Künstlern und Künstlerinnen. Die diesjährige Ausgabe steht unter dem Motto „In Moll“ und ist bereits von Kontroversen überschattet: Die gesamte Jury trat aus Protest zurück, was zu Verzögerungen bei der Vergabe der Goldenen Löwen führte und stattdessen die Einführung alternativer „Publikumslöwen“ zur Folge hatte.
Die internationale Jury hatte zunächst einen Boykott von Ländern angekündigt, deren Regierungen sich Vorwürfen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ausgesetzt sehen. Betroffen waren davon explizit Israel und Russland. Doch die Biennale-Stiftung und die italienische Regierung lehnten den Boykott umgehend ab und bestanden auf die politische Neutralität der Veranstaltung.
Kurz darauf legten alle fünf Jurymitglieder ihre Ämter nieder, woraufhin die Organisatoren die Vergabe der Goldenen Löwen verschieben mussten. Als Ersatz wurde das neue System der „Publikumslöwen“ eingeführt, bei dem die Besucher über Abstimmungen die Preisträger bestimmen.
Unter den teilnehmenden Nationen zeigt der portugiesische Pavillon im Palazzo Fondaco Marcello die Installation „RedSkyFalls“ des Künstlers Alexandre Estrela, der sich öffentlich gegen die Teilnahme Russlands und Israels an der Biennale ausgesprochen hat. Auch Brasilien und Osttimor vertreten in diesem Jahr die lusophone Welt.
Israels Beitrag „Rose of Nothingness“ ist im Arsenale zu sehen, während Russland nach den Abwesenheiten 2022 und 2024 mit „Der Baum hat seine Wurzeln im Himmel“ in seinen Pavillon zurückkehrt. Die Biennale läuft noch bis zum 22. November 2025 und umfasst neben dem Hauptprogramm 31 Begleitveranstaltungen.
Ohne ihre ursprüngliche Jury setzt die Biennale nun auf die Beteiligung des Publikums bei der Preisvergabe. Mit 100 Pavillons und einem breiten Spektrum an Ausstellungen findet die Veranstaltung trotz politischer Spannungen statt. Bis zum Abschluss Ende November können Besucher die Werke erkunden.






