Rébecca Chaillons provokantes Stück La Parabole du Seum bricht Tabus
Klaus-Günter SölzerRébecca Chaillons provokantes Stück La Parabole du Seum bricht Tabus
Regisseurin Rébecca Chaillon präsentiert ein provokantes neues Stück mit dem Titel La Parabole du Seum
Die Aufführung lotet Themen wie Identität, Körperbild und gesellschaftliche Stigmatisierung auf ungewöhnliche Weise aus. Der Titel spielt mit den französischen Wörtern für „Gleichnis“, „Satellitenschüssel“ und „Wut“.
Inspiriert ist das Stück von Octavia Butlers Roman Parabel vom Sämann sowie den realen Lebensgeschichten eines Popstars und einer Astrophysikerin aus derselben marginalisierten Banlieue, in der auch Chaillon aufgewachsen ist. Im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen von Menschen, die sich als dick identifizieren – eine Mischung aus persönlichen Erzählungen und gesellschaftskritischem Kommentar.
Auf der Bühne agieren Darsteller:innen in goldener Unterwäsche: Sie inszenieren die Abnehm-Show The Biggest Loser nach, posieren wie Bodybuilder oder verteilen, wie Julie Teuf, Butter an das Publikum und fordern es auf, davon zu kosten und an einer Verlosung teilzunehmen. Die Performenden entschuldigen sich für ihre Körper, gestehen ungewöhnliche Essgewohnheiten – und treiben die Vorstellung bisweilen ins grotesk Absurde.
Chaillon, die sich selbst als „schwarze, dicke, kinderlose, alternde Lesbe“ beschreibt, ist eine der prägendsten Stimmen der französischen Kulturszene. Ihr Werk stellt Normen infrage und regt zur Reflexion über marginalisierte Identitäten an.
Die Inszenierung wird als berührend, atemberaubend und mitunter zäh beschrieben. Sie konfrontiert das Publikum mit roher, grenzenüberschreitender Erzählkunst. Unvergesslich bleibt das Stück durch seine schonungslose Auseinandersetzung mit Körperpolitik und gesellschaftlichen Erwartungen.






