RAW-Gelände in Berlin: Kultur gegen Wohnungsbau – wer setzt sich durch?
Norbert ThiesRAW-Gelände in Berlin: Kultur gegen Wohnungsbau – wer setzt sich durch?
Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes, eines bedeutenden kulturellen Zentrums, ist derzeit ungewiss. Ein Streit zwischen dem privaten Eigentümer, der Kurth Group, und der Stadt über Pläne für Wohnungsbauprojekte ist eskaliert. Der Konflikt gefährdet die langjährige Rolle des Geländes als Hotspot für Unterhaltung und Kultur.
Das RAW-Gelände blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Ursprünglich diente es als Wartungsdepot für Reichsbahn-Züge. Im Laufe der Zeit entwickelte es sich zu einem lebendigen Ort mit Konzertlocations, einem Biergarten, einer Skatehalle, einer Boulderhalle, Lagerhallen, einem Weihnachtsmarkt und einem Flohmarkt.
Die Kurth Group wirft der Berliner Stadtregierung vor, frühere Vereinbarungen gebrochen zu haben. Das Unternehmen fordert schnellere Baugenehmigungen für den Wohnungsbau. Streitpunkt ist, wie viele Wohnungen entstehen sollen und wie die historischen Hallen erhalten bleiben können, in denen Clubs und Kulturstätten untergebracht sind.
Als Reaktion haben Senat und Bezirksverwaltung zu weiteren Gesprächen aufgerufen. Ihr Ziel ist es, den einzigartigen Charakter des Geländes zu bewahren. Unterdessen haben einige Mieter, darunter der Club Cassiopeia, Räumungsanordnungen für Teile des Areals erhalten – für den Club droht die Räumung bereits ab nächster Woche.
Die Pattsituation setzt das kulturelle und soziale Angebot des RAW-Geländes aufs Spiel. Ohne eine Einigung könnten die Räumungen und der Druck für neuen Wohnraum das Gesicht des Viertels verändern. Die weitere Entwicklung hängt davon ab, ob beide Seiten in den anstehenden Verhandlungen einen Kompromiss finden.
