Opernhäuser tauschen Kunst gegen Instagram-Lifestyle – ein kultureller Abstieg?
Klaus-Günter SölzerOpernhäuser tauschen Kunst gegen Instagram-Lifestyle – ein kultureller Abstieg?
Europas Opernhäuser setzen auf Instagram – und vernachlässigen die Kunst
Immer mehr Opernhäuser in Europa verlagern ihren Fokus auf Instagram. Statt Kunst in den Mittelpunkt zu stellen, werben viele mittlerweile mit Lifestyle-Inhalten, um ein jüngeres Publikum anzusprechen. Die Musik rückt dabei in den Hintergrund, während Sponsoring, Mode und Social-Media-Tauglichkeit an Bedeutung gewinnen.
Das Staatsoper Berlin nutzt seinen Account vor allem, um Sponsoren zu hofieren. Intendantin Elisabeth Sobotka bedankt sich regelmäßig bei BMW für die finanzielle Unterstützung – Kunst kommt dabei oft zu kurz.
Die Bayerische Staatsoper geht einen anderen Weg: Ihr Feed dreht sich um Wagner, Orchesteraufführungen und philosophische Themen. Doch Moderator Holger Noltze erklärt Opera in einem herablassenden Ton und mit veralteten Methoden. Ein weiterer Gastgeber, Opera Bert, tritt zwar in Kostümen auf, vermittelt die Inhalte aber ebenfalls in altbackener Manier.
Im Festspielhaus Baden-Baden wird klassische Musik mit lässigen Trends vermischt. Die Macher bewerben das Erlebnis als „Klassik und Spritz“ – während Opera Bert Oper auf einfache Gefallsreaktionen und sogar Hygienetipps reduziert. Hemma und Jakob von der Wiener Staatsoper behandeln das Haus dagegen wie einen Spielplatz oder ein Restaurant. Sie geben Dresscode-Ratschläge und erklären, wie man sich am besten am Pausenbuffet bedient.
Junge Influencer der Häuser bewerben lieber Drinks, Outfit-Tipps und „Überlebenstipps“ als die Musik selbst. Das Ergebnis: Oper wird zunehmend als bloße Unterhaltung und Konsumgut wahrgenommen. Die traditionelle Kunstfertigkeit muss sich gegen moderne, kommerzialisierte Inszenierungen behaupten.
