Humboldt Forum bleibt fünf Jahre nach Eröffnung ein Berliner Zankapfel
Klaus-Günter SölzerHumboldt Forum bleibt fünf Jahre nach Eröffnung ein Berliner Zankapfel
Fünf Jahre nach der Eröffnung: Das Humboldt Forum in Berlin bleibt umstritten
Fünf Jahre nach seiner Eröffnung sorgt das Humboldt Forum in Berlin weiterhin für Diskussionen. Kritiker bemängeln, dass es sich fremd in der Stadt anfühlt – sein monumentales Design stehe im Widerspruch zur modernen Identität Berlins. Zwar ist sein kulturelles Programm ehrgeizig, doch es gelingt ihm nur schwer, in seiner aktuellen Form Besucher zu begeistern.
Finanziert von vermögenden rechtspopulistischen Spendern, sollte das Forum preußischen Glanz in das östliche Herz Berlins zurückbringen. Doch von Anfang an zogen seine palastartige Architektur und die kolonialen Bezüge Kritik auf sich. Der Sprecherkreis bezeichnete es als zu weit entfernt vom wahren Charakter der Stadt.
Unter seiner kuppelgekrönten Silhouette beherbergt das Gebäude heute das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst. Doch die verwinkelten Rolltreppen und die kahlen Betonflächen lassen Besucher nach Veranstaltungen oft ratlos zurück. Trotzdem verzeichnete das Forum im vergangenen Jahr rund 634.000 Ausstellungsbesucher – ein Bruchteil der 13 Millionen jährlichen Gäste des Louvre.
Sein Programm widmet sich drängenden Themen wie dem Schwinden der Demokratie, globaler Ungerechtigkeit und Bedrohungen der künstlerischen Freiheit. Zudem hat es die Debatten über Raubkunst, Restitution und koloniale Gewalt beschleunigt. Performances wie Sarah Ama Duahs to build to bury to remember hinterfragen koloniale Perspektiven, indem sie Objekte als eigenständige Wesen präsentieren.
Künftige Diskussionen befassen sich unter anderem mit einem Fluss im Süden Brasiliens, der unter einem Einkaufszentrum verschwand, um später als Denkmal im Forum selbst wieder aufzutauchen.
Nach fünf Jahren bleibt das Humboldt Forum eine polarisierende Erscheinung. Sein ambitioniertes Kulturprogramm steht im Spannungsfeld zu seinen architektonischen und historischen Widersprüchen. Ob es sich jemals nahtlos in die Berliner Kulturlanschaft einfügen wird, bleibt eine offene Frage.
