18 March 2026, 06:29

Berliner HKW in der Krise: Boykott nach abgesagtem Chefket-Konzert entfacht Kulturdebatte

Menschenmenge mit Fahnen und Schildern vor dem Brandenburger Tor in Berlin, mit einer Banner auf der rechten Seite.

Berliner HKW in der Krise: Boykott nach abgesagtem Chefket-Konzert entfacht Kulturdebatte

Berlins Haus der Kulturen der Welt (HKW) steckt in einer eskalierenden Krise, nachdem es ein Konzert des Rappers Chefket abgesagt hat. Die Entscheidung fiel nach Druck durch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und löste eine Welle solidarischer Boykotte anderer deutscher Künstler aus. Die unter der Leitung des kamerunischen Intendanten Bonaventure Soh Bejeng Ndikung stehende Institution – seit 2023 in seiner Verantwortung – sieht nun ihren weltweiten Ruf gefährdet, während gleichzeitig eine grundsätzliche Debatte über Kulturprogrammierung und politischen Einfluss aufflammt.

Der Streit begann, als der schwäbische Rapper Chefket, vom Goethe-Institut einst als "Rap-Botschafter" bezeichnet, im HKW auftreten sollte. Sein Konzert wurde gestrichen, nachdem er ein T-Shirt mit der Aufschrift "Palästina" getragen hatte, das arabische Kalligrafie in einer an Israels Umrisse erinnernden Form zeigte. Die Absage fiel zudem mit dem Jahrestag eines Hamas-Angriffs auf Israel zusammen, was die Kritik weiter anheizte.

Als Reaktion zogen sämtliche anderen deutschen Künstler, die im HKW geplant waren, ihre Auftritte aus Solidarität mit Chefket zurück. Der Boykott hat die Einrichtung schwer getroffen – trotz ihrer Tradition, internationale Künstler wie den haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil zu präsentieren. Die Folgen haben dem HKW als globalem Kulturort schweren Schaden zugefügt.

Ndikung, der als erster Leiter einer großen deutschen Kultureinrichtung ein Team ausschließlich aus People of Colour führt, steht wegen seiner "postkolonialen" Programmarbeit in der Kritik. Zwar gibt es in der deutschen Kulturszene Stimmen, die seine Ausrichtung hinterfragen, doch eine breite öffentliche Ablehnung oder Unterstützung für seinen Kurs ist bisher nicht dokumentiert. Bundespolitiker hingegen haben das HKW – trotz seiner prominenten Lage in der Nähe des Kanzleramts – weitgehend ignoriert.

Die Auseinandersetzung hat andere Veranstaltungen überlagert, darunter eine Ausstellung des Satirikers Jan Böhmermann, die eigentlich Aufmerksamkeit auf das Haus lenken sollte. Kritiker argumentieren, der Nahost-Konflikt dürfe nicht über deutschen Rap ausgefochten werden, was die Polarisierung weiter vorantreibt.

Die Absage von Chefkets Konzert hat eine Kettenreaktion ausgelöst: Durch die Künstlerboykotte isoliert, steht das HKW mit geschwächtem Ruf und ohne politische Rückendeckung da. Nun stellen sich Fragen nach seiner Zukunft. Der Konflikt wirft zudem grundlegendere Probleme auf – etwa die Spannungen zwischen kultureller Programmgestaltung und der Rolle der Politik in der Kunst.

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