Bachmann-Preis 2024: Glanz und Protest zwischen Jury-Streit und literarischen Höhenflügen
Raymund LindauBachmann-Preis 2024: Glanz und Protest zwischen Jury-Streit und literarischen Höhenflügen
Der Bachmann-Preis 2024: Scharfe Kritik und literarische Glanzleistungen
Bei der diesjährigen Verleihung des Bachmann-Preises gab es scharfe Kritik und herausragende Texte. Vierzehn Nominierte traten an – unter ihnen keine echten Newcomer. Die Veranstaltung hatte fast den Charakter eines Tribunals, denn sieben Jurorinnen prüften jeden Beitrag mit großer Sorgfalt.
Die Preisvergabe brachte bemerkenswerte Siegerinnen und Sieger hervor. Schaette gewann sowohl den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis als auch den Publikumspreis für ihren Text Was wir tragen. Magdalena Schrefel erhielt den kleinsten der Preise, den 3sat-Preis, für Kirschen, Herz in der Schlinge.
Kinga Tóth wurde mit dem KELAG-Preis für ihre Darstellung eines „Ostblock-Mädchens“ und dessen Alltagskämpfe ausgezeichnet. Ozan Zakariya Keskinkılıç erhielt den Deutschlandfunk-Preis für Vater ohne Sohn.
Für Spannung sorgte Slata Roschal, die mit einer schonungslosen Abrechnung mit der Literaturszene aufwartete. Sie prangerte die mageren Honorare für Stipendien und die kargen Einnahmen von Autor:innen an. Nach der Lesung ihres Textes verkündete sie, sofort die Bühne zu verlassen – eine Konfrontation mit der Jury lehnte sie ab.
Als dramatische Kulisse diente Ingeborg Bachmanns Hörspiel Der gute Gott von Manhattan, in dem Gott selbst auf der Anklagebank sitzt, vom Richter verhörte wird – und nach der Wahrheitssuche freigesprochen wird.
Der Bachmann-Preis zeigte einmal mehr literarisches Können und Branchenfrust. Während die Preisträger:innen mit bedeutenden Auszeichnungen nach Hause gingen, machte Roschals Protest auf anhaltende Missstände aufmerksam. Die diesjährigen Texte fielen stärker aus als im Vorjahr – und weckten hohe Erwartungen an die kommenden Wettbewerbe.
