Willichs Kita-Krise: Geburtenrückgang zwingt Stadt zu radikalen Schließungen und Umzügen
Raymund LindauWillichs Kita-Krise: Geburtenrückgang zwingt Stadt zu radikalen Schließungen und Umzügen
Willich steht vor einem drastischen Rückgang der Geburtenraten, der zu tiefgreifenden Veränderungen in der Kinderbetreuung führt. Seit 2020 ist die Geburtenrate in der Stadt um etwa 30 Prozent gesunken – ein Wert, der deutlich unter dem regionalen Durchschnitt liegt. Dieser Rückgang zwingt die Verantwortlichen, ihre Pläne für Kitas zu überdenken: Einige Einrichtungen sollen geschlossen, andere ausgebaut oder verlegt werden.
Die Zahl der Kleinkinder in Willich ist zwischen 2018 und 2025 um 26 Prozent zurückgegangen. Frühere Prognosen hatten bis 2030 einen Mangel von 13 Kindergartenplätzen vorhergesagt, doch nun rechnet die Stadt mit einem Überschuss von 354 Plätzen. Bis 2029 wird sogar mit 440 zusätzlichen Betreuungsplätzen gerechnet – eine direkte Folge der sinkenden Nachfrage.
Mehrere Einrichtungen werden in den kommenden Jahren Veränderungen erfahren. Die von der AWO betriebene Kita Blaues Haus in Schiefbahn erhält ihre letzte freiwillige Förderverlängerung bis zum 31. Juli 2027. Danach plant die Stadt Gespräche mit dem Träger über eine mögliche Schließung. Gleichzeitig wird das DRK sein Brückenprojekt Schatzkiste bis zum 31. Juli 2026 einstellen.
Die Kita Alperhof, die ursprünglich in einem Neubau untergebracht werden sollte, zieht stattdessen in das generationenübergreifende Projekt Reinershof um. Der bisherige Standort wird aus Budgetgründen abgerissen, doch die Stadt betont, dass der Umzug die Betreuung sicherstellt. Eltern aus dem Norden Willichs kritisieren die Entscheidung: Sie befürchten, dass der Wegfall der lokalen Kita junge Familien abschrecken und das alte Gebäude verfallen könnte.
Die Kita St. Irmgardis wird zum Ende des Kitajahres 2026/2027 schließen. In dem modernisierten Gebäude zieht dann ab 2027/2028 die Kita Villa Kunterbunt ein, die erweiterte Angebote wie Ganztagsbetreuung und Mittagsverpflegung anbieten wird. Die Stadt und der Kirchenvorstand bleiben im Gespräch, um die Einrichtungen an künftige Bedürfnisse anzupassen.
Die Anbindungen zur nächstgelegenen Kita wurden überprüft: Die Buslinien 55 und 56 benötigen 16 Minuten, mit dem Auto sind es etwa 9 Minuten – beides liegt innerhalb der gesetzlichen Fahrzeitvorgaben.
Der Geburtenrückgang zwingt Willich, sein Kinderbetreuungssystem neu auszurichten. Einige Kitas werden schließen, andere ausgebaut oder an neue Standorte verlegt. Ziel ist es, das reduzierte Angebot an die gesunkene Nachfrage anzupassen, ohne dass Familien auf notwendige Betreuungsleistungen verzichten müssen.