Wie TMZ die Politik in Washington mit Klatschjournalismus aufmischt
Norbert ThiesWie TMZ die Politik in Washington mit Klatschjournalismus aufmischt
Die Grenze zwischen Politik und Unterhaltung verschwimmt zunehmend, während TMZ seinen Einfluss auf Washington ausweitet. Bekannt für Klatsch über Prominente und virale Momente, setzt das Portal nun Politiker mit derselben aggressiven Berichterstattung unter Druck. Gleichzeitig bleibt die öffentliche Zustimmung zu politischen Figuren auf niedrigem Niveau – der Kongress verzeichnet fast rekordhohe Ablehnungswerte.
TMZ wurde 2005 von Harvey Levin gegründet, der über die Jahre ein wechselhaftes Verhältnis zu Donald Trump pflegte. Die Seite machte sich mit Promi-Skandalen einen Namen, etwa durch das weit verbreitete Foto von Senator Lindsey Graham, der in Disney World einen Zauberstab hält. Jetzt schickt TMZ DC Reporter direkt auf Konfrontationskurs mit Politikern und fordert die Öffentlichkeit auf, ungestellte Aufnahmen von Amtsträgern einzureichen.
Die Vermischung von Washington und Hollywood ist nicht neu, doch sie wird immer deutlicher. Über ein Dutzend Stars aus dem Real-Housewives-Franchise besuchten kürzlich den Capitol Hill. Auch die aktuelle Regierung spiegelt diesen Trend wider: Ein ehemaliger Reality-TV-Star regiert seit sechs Jahren als Präsident, sein Kabinett umfasst einen Ex-Wrestling-Funktionär und ein ehemaliges Real-World-Castmitglied.
Die öffentliche Meinung zeigt jedoch Frust über diese Entwicklung. Laut einer AP-NORC-Umfrage billigen nur 33 Prozent der US-Erwachsenen Trumps Amtsführung. Die Ablehnung des Kongresses erreichte mit 86 Prozent einen Rekordwert, wie Gallup ermittelte. Selbst das Pentagon hat TMZs wachsenden Einfluss registriert: Verteidigungsminister Pete Hegseth bezeichnete das Portal kürzlich als "neue Mitglieder unserer Pressegruppe hier".
Mit der Ausweitung der politischen Berichterstattung vertieft TMZ die ohnehin schon komplexe Beziehung zwischen Washington und der Unterhaltungsbranche. Angesichts zunehmender öffentlicher Kontrolle und sinkender Zustimmungswerte könnte der konfrontative Stil des Portals die Art und Weise verändern, wie Politiker mit den Medien umgehen. Der Trend zeigt keine Anzeichen einer Verlangsamung – im Gegenteil: Das Misstrauen der Bürger in Institutionen bleibt hoch.






