30 March 2026, 08:34

Wie die Bundeswehr 1956 trotz massiver Proteste gegründet wurde

Plakat für die Ausstellung der Berliner Secession 1913, das eine Frau und einen Hund mit Text zeigt.

Wie die Bundeswehr 1956 trotz massiver Proteste gegründet wurde

Die Wiederbewaffnung Westdeutschlands nach dem Krieg löste jahrelange hitzige Debatten und Proteste aus. Bereits in den frühen 1950er-Jahren gerieten Oppositionsgruppen, Politiker und Wissenschaftler mit der Regierung aneinander, als Pläne zum Wiederaufbau einer Armee konkret wurden. Die schließlich 1956 erfolgte Gründung der Bundeswehr markierte einen Wendepunkt – doch nicht ohne erbitterten Widerstand.

Der Druck zur Aufstellung einer neuen deutschen Armee begann Anfang der 1950er-Jahre, stieß jedoch auf sofortige Ablehnung. 1951 wurde zwar ein Volksbegehren zur Wiederbewaffnung gestartet, doch das Innenministerium verbot es umgehend. Im selben Jahr wurde die Freie Deutsche Jugend (FDJ), eine Gruppe, die sich gegen die Remilitarisierung stellte, verboten. Die Proteste unter dem Motto "Ohne mich!" ("Ohne mich!") wurden lauter, als die Idee aufkam, deutsche Soldaten in eine europäische Armee zu integrieren.

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1955 spitzte sich die Lage weiter zu, als die Bundesrepublik der NATO beitrat. Die Paulskirchenbewegung, ein breites Bündnis aus Sozialdemokraten, Gewerkschaften, Kirchen und der verbotenen KPD, mobilisierte zivilen Widerstand gegen sowohl die Bundeswehr als auch den NATO-Beitritt. Trotz der Proteste berief Theodor Blank – später erster Verteidigungsminister – am 12. November 1955 die ersten 110 Offiziere und Unteroffiziere.

Die Bundeswehr nahm Anfang 1956 offiziell Gestalt an. Freiwillige traten im Januar ihren Dienst in Kasernen an, doch der Name Bundeswehr wurde erst am 1. April eingeführt. Die Diskussionen rissen nicht ab, und im Juli wurde nach erbitterten parlamentarischen Kämpfen die Wehrpflicht eingeführt. Der Widerstand hielt an: 1957 unterzeichneten 18 führende Wissenschaftler das "Göttinger Manifest", in dem sie vor der nuklearen Bewaffnung der neuen Armee warnten.

Trotz jahrelangen öffentlichen Widerstands und politischer Spaltungen wurde die Bundeswehr Realität. Proteste, Verbote und wissenschaftliche Warnungen konnten ihre Entstehung nicht aufhalten. 1957 verfügte Westdeutschland über ein stehendes Heer – und eine tief gespaltene Gesellschaft über dessen Rolle im kalten Krieg Europas.

Quelle