RWE flutet Tagebaue zu Seen – doch Umweltproteste wachsen
RWE hat mit den Vorbereitungen begonnen, drei ehemalige Braunkohletagebaue in Nordrhein-Westfalen mit Rheinwasser zu fluten. Das ehrgeizige Projekt, das 2030 starten soll, sieht vor, die Gruben über die nächsten vier Jahrzehnte in Erholungsseen umzuwandeln. Umweltverbände und lokale Aktivisten äußern jedoch ernste Bedenken hinsichtlich der Wasserqualität und langfristiger Risiken.
Den Anfang macht 2030 der Tagebau Hambach, gefolgt vom Tagebau Inden im selben Jahr und dem Tagebau Garzweiler 2036. Eine 45 Kilometer lange Pipeline, bestehend aus zehntausend Rohren mit einem Durchmesser von bis zu 2,2 Metern, soll das Wasser transportieren. Die Befüllung der Seen wird 40 Jahre dauern, und weitere Jahrzehnte werden benötigt, um den Wasserstand anschließend zu halten.
RWE hat bereits Genehmigungen für die Wasserentnahme und den Pipeline-Bau erhalten. Doch die Erlaubnis, Wasser in den Tagebau Hambach einzuleiten, steht noch aus. Zwischen 2017 und 2024 wurden drei Genehmigungen für die Einleitung von Rur-Wasser in den Tagebau Inden erteilt, während zwei weitere für den vollen Betrieb bis 2030 noch ausstehen.
Kritiker warnen, dass das Einpumpen von unbehandeltem Rheinwasser in die Gruben industriell belastetes Abwasser und giftige Schlämme aus nahegelegenen Chemiewerken einschwemmen könnte. Umweltverbände wie der BUND und Alle Dörfer bleiben fürchten eine Grundwasserverschmutzung durch Schadstoffe und Sulfate. Andreas Büttgen von der Initiative Bürger für Bürger argumentiert, dass RWE mit dem aktuellen Vorgehen riskiert, das Projekt aufzugeben und die Steuerzahler mit langfristigen Kosten zurückzulassen. Er fordert strengere Kontrollen und eine Reinigung des Rheinwassers vor der Umleitung.
Unterdessen wird das neue Hyperscale-Rechenzentrum von Microsoft in der Region enorme Mengen Wasser für die Kühlung verbrauchen. Dies wirft Fragen nach möglichen Wasserknappheiten auf und belastet die lokalen Ressourcen zusätzlich.
RWE plant langfristig, die gefluteten Tagebaue in Tourismus- und Freizeitzentren zu verwandeln und so neue Lebensräume und Arbeitsplätze rund um die Seen zu schaffen.
Der Erfolg des Projekts hängt davon ab, ob die Umwelt- und regulatorischen Herausforderungen bewältigt werden können. Bei einer Genehmigung wird die Flutung die Landschaft der Region über Jahrzehnte prägen. Doch die Bedenken hinsichtlich Wasserverschmutzung und industrieller Altlasten bleiben ungelöst – Kritiker drängen auf schärfere Auflagen, bevor die ersten Rohre verlegt werden.






