15 March 2026, 22:30

Oktoberfest-Nachwehen: Wenn Tradition für Anwohner zum Albtraum wird

Eine große Gruppe von Menschen sitzt an Tischen unter einem Zelt auf dem Oktoberfest in München, Deutschland, mit einigen stehenden und Taschen auf den Tischen, sowie festlichen Zelten, Lichtern und Fahnen im Hintergrund.

Oktoberfest-Nachwehen: Wenn Tradition für Anwohner zum Albtraum wird

Für Martin Stanek ist der erste Montag nach dem Oktoberfest wie eine Befreiung. Der Münchner lebt mit seiner Familie in der Nähe des Festgeländes und erlebt trotz einer gewissen Zuneigung zum Event jedes Jahr dessen chaotische Folgen. Zwar schätzt er die Tradition, doch die Hinterlassenschaften betrunkener Besucher belasten seinen Alltag spürbar.

Offiziell dauert das Oktoberfest 16 Tage – es beginnt an einem Samstag Ende September und endet am ersten Sonntag im Oktober. Was 1810 als königliche Hochzeitsfeier begann, hat sich längst zum größten Volksfest der Welt entwickelt und lockt Millionen auf die Theresienwiese. Stanek, der in Interviews nicht mit seinem echten Namen genannt werden möchte, erlebt hautnah, wie das Fest sein Viertel auf den Kopf stellt.

Während der Festtage verwandelt sich seine Straße in eine Müllhalde. Zerschlagene Blumentöpfe, zerbrochene Flaschen und betrunkene Feiernde, die auf Gehwegen zusammensacken, gehören zum Alltag. Noch schlimmer: Fast täglich findet er Urinflecken und menschliche Fäkalien vor seiner Haustür – etwas, das er immer noch kaum fassen kann. Ein Nachbar versuchte einmal, seinen Vorgarten abzuzäunen, um die Menge fernzuhalten, doch der Aufwand brachte kaum etwas.

Stanek hat schon alles gesehen: Prominente wie die Kaulitz-Brüder, die torkelnd durch die Menge stolpern, betrunkene Wirte aus der Promi-Szene oder laute Fußballer. Doch trotz des Spektakels ruft er selten die Polizei. Er zweifelt, dass es etwas ändern würde, und scherzt, wenn er im Erdgeschoss wohnen würde, würde er den Dreck einfach selbst wegspülen. Stattdessen wünscht er sich mehr Polizeistreifen, die die Straßen kontrollieren und die Belastung für die Anwohner mildern.

Das Oktoberfest bringt zwar Begeisterung und Tradition mit sich, doch für Anwohner wie Stanek bedeutet es auch Wochen voller Lärm, Dreck und Störungen. Zwar schätzt er manche Aspekte des Fests, doch die Nachwehen lassen ihn die Tage zählen, bis die Besucher wieder verschwunden sind. Seine Hoffnung bleibt, dass eine bessere Regulierung irgendwann das Feiern mit dem Respekt vor der Nachbarschaft in Einklang bringen könnte.

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