25 March 2026, 08:32

Kratzers provokante Paradies-Inszenierung spaltet die Hamburger Staatsoper

Altes Buch mit zwei Engeln auf dem Cover, auf einer weißen Oberfläche platziert, mit der Aufschrift "In Erinnerung an unsere lieben Verstorbenen", vor einem gedämpften grauen Hintergrund.

Kratzers provokante Paradies-Inszenierung spaltet die Hamburger Staatsoper

Die Hamburger Staatsoper präsentiert provokante Neuinszenierung von Das Paradies und die Peri

Unter der Regie des neu berufenen Intendanten Tobias Kratzer hat die Hamburger Staatsoper eine mutige Neuinterpretation von Das Paradies und die Peri auf die Bühne gebracht. Das 180 Jahre alte Oratorium, das auf einer orientalischen Erzählung aus Thomas Moores Lalla Rookh basiert, wurde mit frappierenden modernen Bezügen neu gedacht – von Krieg und Seuchen bis hin zur Klimakrise. Das Publikum reagierte mit einem Mix aus Jubel und Buhrufen, was die polarisierende Wirkung der Inszenierung widerspiegelt.

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Die Komposition des Oratoriums stammt von Robert Schumann und Emil Flechsig aus den 1840er-Jahren und greift Moores poetische Geschichte der Peri auf, eines engelhaften Wesens auf der Suche nach einem Geschenk, das ihm den Eintritt ins Paradies ermöglicht. Kratzers Inszenierung jedoch verlagert die Handlung in die Gegenwart: Krieg und Krankheit werden durch zeitgenössische Figuren auf der Bühne dargestellt, während der dritte Akt explizit den ökologischen Kollaps thematisiert – Kinder spielen unter einer verschmutzten Plastikkuppel, einem drastischen Symbol für die Umweltzerstörung.

Die Aufführung bricht auf vielfältige Weise mit Konventionen. Kratzer durchbricht die vierte Wand, indem er Szenen direkt ins Publikum hinein inszeniert und durch dynamische Licht- und Kameratechnik die Erzählweise vertieft. In einem Moment klettert die Sopranistin Vera-Lotte Boecker, in der Rolle der Peri, über die Zuschauerreihen, um sich neben einen weinenden Mann zu setzen – eine verkörperte Darstellung des Oratoriums-Themas der Mitmenschlichkeit. Eine weitere konfrontative Szene zeigt einen schwarzen Jugendlichen, der sich einem tyrannischen Herrscher widersetzet; seine Ermordung wird mit schonungslosem Realismus in Szene gesetzt, komplett mit Bühnensblut.

Die Reaktionen fielen gespalten aus. Während ein Großteil des Premierenpublikums begeistert applaudierte, verließ eine Frau unter Buhrufen mitten in der Vorstellung den Saal. Kratzer, bekannt dafür, Grenzen auszuloten, hat zudem angekündigt, das Opernhaus noch stärker in das Hamburger Kulturleben einzubinden. Geplante Projekte umfassen Kooperationen wie eine Zusammenarbeit mit dem lokalen Chocolatier Sawade – ab März 2026 werden Premierenbesuchern Pralinen angeboten – sowie die Aufführung seltener Werke wie Ruslan und Ljudmila neben Neuaufträgen wie Olga Neuwirths Monster's Paradise.

Die Verbindung von historischem Text mit drängenden modernen Themen hat Diskussionen ausgelöst. Kratzers Vision für die Hamburger Staatsoper geht über dieses Oratorium hinaus: Er strebt ein zugänglicheres, gesellschaftlich engagiertes Musiktheater an. Die gespaltenen Reaktionen unterstreichen die Absicht der Produktion – sie will ebenso herausfordern wie unterhalten.

Quelle