Jörg Münnings Abschied markiert das Ende einer Ära der Landesbausparkassen
Klaus-Günter SölzerJörg Münnings Abschied markiert das Ende einer Ära der Landesbausparkassen
Tiefgreifende Veränderungen im Sektor der Landesbausparkassen: Jörg Münning geht in den Ruhestand
Die deutsche Landesbausparkassen-Branche steht vor einem Einschnitt: Der langjährige Manager Jörg Münning wird nach 45 Jahren im Sparkassenverbund Ende September 2025 seine Positionen bei der LBS Nordwest und der Bausparkassenkonferenz abgeben. Sein Ausscheiden markiert das Ende einer Dekade, die von Fusionen, regulatorischen Umbrüchen und einer kostspieligen IT-Neuausrichtung geprägt war – Entwicklungen, die die Branche grundlegend verändert haben.
Münnings Karriere begann bei der Kreissparkasse Steinfurt, bevor er 2012 zur LBS West wechselte. Nur zwei Jahre später übernahm er die Geschäftsführung der LBS Nordwest, die 2023 mit der LBS Nord zur heutigen LBS Nordwest fusionierte. Anfang 2018 wurde er zudem Bundessprecher der LBS-Gruppe – ein Amt, das er für zwei weitere Amtszeiten innehatte.
In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Landesbausparkassen in Deutschland von zehn auf nur noch fünf verringert. Diese Konsolidierungswelle wurde durch strengere Regularien, anhaltende Niedrigzinsen und ein 100-Millionen-Euro-Projekt zur IT-Zentralisierung vorangetrieben. Allein die fusionierten LBS West und LBS Nord steuerten im Laufe eines Jahrzehnts fast 130 Millionen Euro in den brancheneigenen Schutzfonds bei.
Doch die Fusionen von 2023 hatten ihren Preis: Der Jahresbericht 2024 der LBS Nordwest wies eine „gelbe“ Risikobewertung aus – bedingt durch Fusionskosten und Zinsschwankungen. Das Neugeschäft blieb 2023 deutlich hinter den Zielen zurück, nachdem ein überarbeitetes Tarifsystem eingeführt worden war. Dennoch rechnet das Unternehmen für 2025 mit einer leichten Verbesserung der Kernkapitalquote, auch wenn das Risikoergebnis weiter unter Druck bleiben wird.
Für 2028 hat sich die LBS Nordwest ehrgeizige Ziele gesetzt: 10 Milliarden Euro an neuen Bausparverträgen, 750 Millionen Euro im Nicht-Kollektivkreditgeschäft und einen Jahresüberschuss von 100 Millionen Euro. Auch die Personalstruktur soll angepasst werden – die Zahl der Vollzeitstellen soll auf etwa 700 sinken.
Mit Münnings Rückzug übernimmt Stefan Siebert, Vorstandsvorsitzender der LBS Süd, den Vorsitz der Bausparkassenkonferenz. Die Nachfolge als Chef der LBS Nordwest tritt Frank Demmer an. Münning deutete an, dass weitere Fusionen für seinen Nachfolger vorerst keine Priorität haben dürften – ein möglicher Strategiewechsel für die Branche.
Sein Ausscheiden schließt ein Kapitel der Landesbausparkassen ab, das von Umstrukturierungen und finanziellen Herausforderungen geprägt war. Die Branche steht nun vor einer Phase der Stabilisierung: mit weniger Instituten, strengeren Vorschriften und dem Ziel, das Neugeschäft wieder zu beleben. Sein Nachfolger übernimmt ein schlankeres, aber weiterhin im Wandel befindliches Segment, das Profitabilität anstrebt – bei gleichzeitiger Bewältigung laufender operativer Anpassungen.






