Giftige Altlast: Eine Million Tonnen Müll vergiften den Rhein-Herne-Kanal seit Jahren
Norbert ThiesGiftige Altlast: Eine Million Tonnen Müll vergiften den Rhein-Herne-Kanal seit Jahren
Eine der größten illegalen Mülldeponien Deutschlands liegt verlassen am Rhein-Herne-Kanal in Gelsenkirchen
Auf dem Gelände lagern rund eine Million Tonnen Abfall – die Entsorgungskosten könnten nun in die Zehntausende gehen. Die Behörden leiten rechtliche Schritte ein, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Der Müllberg setzt sich aus Abfällen von 41 Städten und Gemeinden des Ruhrgebiets zusammen, die seit 2004 dort abgeladen wurden. Ein Teil stammt aus Gelsenkirchens eigener Entsorgungswirtschaft, andere Anteile kamen aus Nachbarstädten und Industrieanlagen. Allein die Stadt Herne haftet für etwa 11.000 Tonnen des illegalen Mülls.
Die zulässigen Lagergrenzen des Geländes wurden längst überschritten: Fast doppelt so viel Asche wie erlaubt wurde dort eingelagert, dazu übermäßige Mengen an Bauschutt. Trotz Beschwerden von Anwohnern während des Betriebs wies das Umweltamt die Bedenken damals zurück. Seit acht Jahren liegt die verlassene Deponie brach – ohne dass Aufräumarbeiten stattfanden.
Der kommunale Entsorgungsbetrieb Gelsendienste hat bereits 9,5 Millionen Euro im Haushalt 2024 für einen Teil der Entsorgungskosten zurückgestellt. Die Gesamtkosten werden auf einen "hohen zweistelligen Millionenbetrag" geschätzt. Parallel läuft ein Rechtsstreit zwischen RWE und Remondis um die Verantwortung für die Entsorgung von Verbrennungsasche – RWE besteht darauf, dass Remondis diese ordnungsgemäß zu erledigen habe.
Nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz geht das Umweltamt nun gegen die Abfallproduzenten vor, um sicherzustellen, dass diese die Kosten bis zur fachgerechten Entsorgung tragen.
Die Beseitigung der Gelsenkirchener Mülldeponie erfordert erhebliche finanzielle Mittel und juristische Schritte. Mit Beteiligung mehrerer Städte, Unternehmen und Behörden wird das Verfahren langwierig. Die Durchsetzung der Abfallgesetze durch das Umweltamt markiert einen wichtigen Schritt, um das jahrelang vernachlässigte Gelände zu sanieren.
Reinigigungskosten steigen auf 70 Millionen Euro, während rechtliche Schritte ins Stocken geraten
Neue Schätzungen legen den Kosten für die Beseitigung der illegalen Müllhalde in Gelsenkirchen nun bei 70 Millionen Euro fest, während der rechtliche Fortschritt gleichbleibend stagniert. Das Umweltamt hat 5.855 Abfallerzeuger identifiziert, die mit der Stelle in Verbindung stehen, hat jedoch bisher nur 5 kontaktiert. Die steigenden Kosten resultieren aus einer neuen Bundesverordnung, während die Stadt kämpft, um die Verursacher zur Rechenschaft zu ziehen.